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no. 15
Birgit Hart

Interview mit Hochzeitsfotografin aus München

Birgit Hart ist uns als diejenige deutsche Fotografin über lange Zeit im Kopf geblieben, die die Romantik einer Hochzeit auf Film einfängt und so transportiert wie wir es lieben. Ihre Bilder sind natürlich und zeitlos und wir können nicht genug davon kriegen. Wenn wir gefragt werden, wer in Deutschland unter den Hochzeitsfotografen ganz vorn dabei ist, kommt uns ihr Name als erstes in den Sinn.

 

Und wir wollten mehr über sie erfahren und es mit allen anderen, denen es genauso geht wie uns, teilen. Deshalb haben wir uns auf den Weg nach München gemacht, uns die Stadt angeschaut und uns mit Birgit in einem Café getroffen und sie interviewt.

professionelles Foto muenchen
muenchen analog fotografiert

F&J: Hast du schon heikle Situationen beim Fotografieren mit Film durchlebt?  Sind schon Filmrollen auf dem Postweg verschwunden?

Birgit: Nein. Es ging noch nie ein Film verloren. Ganz am Anfang bei meinen Testfilmen, die ich ans Labor geschickt habe, ist etwas im Labor schief gegangen, allerdings nur bei einer Rolle, von der ich gar nicht mehr wusste, was drauf war. Bei Hochzeiten ist noch nie etwas schief gegangen. Auch nicht zu der Zeit als es Carmencita Film Lab noch nicht gab und ich die Rollen in die USA geschickt habe und teilweise 10 Wochen warten musste bis sie überhaupt dort ankamen. Es war einfach unbezahlbar die Sachen per Express zu schicken.

Ansonsten sind die typischen Pannen, wenn man die Kamera einfach noch nicht gut kennt und wenn man noch nicht weiß: „Warum macht die jetzt solche Geräusche...? Ach, stimmt. Es gibt ja noch eine Batterie.“ [lacht] Ein anderes, technisches Problem, das ich einmal hatte, ist, wenn der Film nicht einhundert prozentig plan liegt. Dann hat man ganz komische Schärfepunkte im Bild und denkt „Oh man, bin ich so blind?“ Natürlich gibt es einige unscharfe Bilder, aber dass es so schlimm ist...

Arbeitet ihr nur mit der Pentax [6x7]?

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F&J: Im Mittelformatbereich schon. Die Bilder sind einfach umwerfend.

Birgit: Ja, die Bilder sind der Knaller. Ich könnte damit nicht auf einer Hochzeit arbeiten. Die Kamera ist mir zu langsam. Die Contax 645 ist total einfach in der Handhabung. Es ist einfach bequem, wenn der Film eigenständig einspult und wieder zurückspult und du einen Autofokus nutzen kannst.

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F&J: Du würdest also deine Contax auch nicht mehr tauschen wollen?

Birgit: Ich habe viele verschiedene Kameras mit denen ich arbeite, aber bei einer Hochzeit muss es wirklich schnell gehen. Ich habe für die Portraits manchmal nur 15 Minuten Zeit. Deshalb würde ich wahrscheinlich nicht mehr wechseln.

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F&J: Hast du deine Assistentin immer mit dabei?

Birgit: Nein. Es kommt darauf an, wie die Hochzeit geplant ist. Wenn es eine entspannte Hochzeit ist, wo alles an einem Ort stattfindet und ich vielleicht nur 8 Stunden dabei bin, dann brauche ich sie nicht unbedingt. Und wenn ich weiß, dass ich eine Stunde Zeit für die Portraits habe, dann kann ich meine Magazine vorladen und mache zwischendurch eine Pause, in der ich nachlade. Wenn es allerdings viele Location-Wechsel gibt und ich auch jemanden brauche, der meine ganzen Taschen trägt, dann ist sie sehr hilfreich für mich.

 

muenchen city fotografie

F&J: Du hast vorhin gesagt, dass du deine belichteten Filme in die USA geschickt hast. Meintest du damit zu Richard Photo Lab?

Birgit: Am Anfang ja. Das war zu der Zeit das einzige Photo Lab. Dann hatte Jonathan Canlas, bei dem ich auch 2011 den Workshop mitgemacht habe, das FIND Lab gegründet. Dann hatte ich dort meine Filme hingeschickt. Die ursprüngliche Idee hinter dem FIND Lab war, ein Fotolabor für Leute, die den Workshop besucht haben und die die Filmfotografie ausprobieren wollen, anzubieten und ihnen ein gutes Feedback zu geben. Bei Richard Photo Lab gibt es leider kein Feedback. Ich habe versucht mit denen zu telefonieren um mit ihnen zusammen eine Richtung für meine Fotos zu entwickeln, aber ich wurde ziemlich im Dunkeln stehen gelassen. Dort gab es leider keine richtige Info zurück. Und dann gab es das Carmencita Film Lab. Das war eine gute Option für mich und mittlerweile sind die Mitarbeiter Freunde von mir geworden. Sie arbeiten mit mir zusammen an meinen Fotos und das ist für mich sehr wertvoll.

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F&J: Hast du dir schon mal vorgenommen, deine Negative selbst zu scannen?

Birgit: Ich habe tatsächlich früher in einer Agentur selbst gescannt. Aber ich werde ganz sicher nicht mehr selber scannen in meinem Leben. [lacht] Für Hochzeiten ist das einfach zu aufwendig. Ich möchte nicht vor dem Computer sitzen und alles Mögliche bearbeiten müssen. Das macht mich wahnsinnig. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum ich auf Film fotografiere. Da bekomme ich das fertige Bild einfach wieder zurück. Ich will das Foto hinter der Kamera machen. Aber nicht bearbeiten.

 

F&J: Wie hoch ist deine Trefferquote? Wie viele Bilder behältst du und wie viele kommen weg?

Birgit: Es gibt gute und schlechte Tage. [lacht] Ich habe tatsächlich manchmal Probleme mit der Schärfe, was daran liegt, dass ich kurzsichtig bin und Kontaktlinsen trage. Wenn die also irgendwie verrutschen, fällt es mir schwerer, genau zu fokussieren. Die Trefferquote ist aber definitiv höher als mit einer Digitalkamera. Digital würde ich immer noch mehr schießen als analog. Manchmal behalte ich von 14 Bildern 10 und manchmal eben nur 3.

Wobei ich auch sagen muss, dass die Digitalfotografie nichts Schlechtes ist. Ich habe eine Weile lang fast nur analog fotografiert und stelle fest, dass ich mittlerweile wieder ganz gern eine Digitalkamera in die Hand nehme. Weil ich einfach mehr Bilder mache. Beim analogen Fotografieren halte ich mich schon ein bisschen zurück und zähle mit, was mich das kostet, etwas auszuprobieren. Im Digitalen geht das ohne Weiteres. Ich nutze die Digitalkamera auch gern um meine Paare warm zu schießen. Und wenn ich dann merke, dass ich sie habe, wechsle ich zur Analogkamera.

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F&J: Wie ist es am Abend oder in dunklen Räumen? Gehst du dann komplett zur Digitalfotografie über?

Birgit: Tatsächlich ja. Aber nicht etwa, weil das der Film nicht kann, sondern weil der Ausschuss so hoch ist. Gerade wenn ich die Bilder vom Tanzen mache oder die Leute auf der Feier fotografiere, gibt es so viele Bewegungen, die man nicht beeinflussen kann. Diese Fotos habe ich eine Zeit lang auch analog gemacht. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich von einem 36er Kleinbildfilm teilweise 36 Fotos wegschmeiße. Das ist mir einfach zu teuer. Wenn ich Film- und Entwicklungskosten von 1.400 € pro Hochzeit habe, dann muss ich schon echt eine Menge Geld verlangen, damit ich noch etwas daran verdiene.

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F&J: Wie hältst du es mit der Nachbearbeitung? Machst du noch mehr, als das Foto gerade zu rücken?

Birgit: In der Regel wird die Haut eh schon schöner auf Film als auf digitalen Bildern. Wenn ich ein Portrait von der Braut habe, die einen großen Pickel an ihrem Hochzeitstag hatte, dann kommt der natürlich weg. Was ich nicht mache, ist das Bild zu manipulieren und größere Sachen heraus zu retuschieren.

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F&J: Einige Fotografen mögen es nicht, Hochzeiten zu fotografieren, obwohl sie es manchmal trotzdem tun. Warum fotografierst du Hochzeiten gern? Fotografierst du Hochzeiten überhaupt gern?

Birgit: Ich mache das total gerne: Ich arbeite dabei an etwas Schönem, die Leute sind alle glücklich, sehen gut aus und es gibt gutes Essen. Perfekt! [lacht] Ich bin auch die Erste, die heult und dann sage ich mir immer: „Birgit, du kennst die Leute doch gar nicht. Du kannst jetzt hier nicht so heulen.“ Es gibt manchmal Phasen, bei denen ich komplett nass geheult bin. Die Geschichten berühren mich einfach. Trotzdem möchte ich jetzt nicht mehr so viele Hochzeiten machen, wie ich es in den letzten Jahren getan habe, weil ich mehr bei meiner Familie sein möchte. Deshalb sage ich schon seit einer Weile, dass ich nicht mehr als 15 Hochzeiten pro Jahr fotografiere. Meistens werden es dann aber trotzdem mehr.

 

F&J: Es fällt dir bestimmt schwer an den Wochenenden nicht bei deiner Familie zu sein. Hast du eine Methode diese „fehlende“ Zeit wieder auszugleichen?

Birgit: Es war leichter, als meine Kinder [7 und 10 Jahre alt] noch kleiner waren und ich sie unter der Woche früher vom Kindergarten holen konnte. Damals gab es noch nicht so ein festes Programm. Jetzt wo sie älter werden, beide in der Schule sind und verschiedene Freizeitaktivitäten haben, wird es schwieriger. Da bleibt einem nur das Wochenende. Da ich leider wenige Hochzeiten in Wohnortnähe fotografiere, bin ich häufig am Freitag und Samstag weg. Auch wenn die Location mehr als eine Stunde Autofahrt entfernt ist, fahre ich abends nicht mehr zurück. Ab 10 Uhr abends möchte ich nicht mehr weitere Strecken mit dem Auto fahren, weil ich schon oft einfach zu müde war. Das heißt, ich übernachte und fahre dann Sonntag früh zurück. Dann komme ich Sonntag zum Mittagessen und da ist das Wochenende ja fast schon wieder vorbei.

detailfoto surfer

 

F&J: Verschlägt es dich beruflich oft in andere Länder?

Birgit: Nein, ich mache das eigentlich nicht. Hauptsächlich bin ich im deutschsprachigen Raum unterwegs. Dieses Jahr war ich einmal in der Türkei. Ich kriege öfter Anfragen für Destination Weddings, aber ich nehme nur ab und zu welche an. Meine Erfahrung ist so, dass Fotografen, die solche Hochzeiten annehmen, meist noch eine Woche Urlaub dran hängen, damit es sich richtig lohnt. Die werden bezahlt für den Job, aber nicht für die lange Zeit, die sie wirklich weg sind. Ich bekomme auch Anfragen mit „Wir heiraten in Griechenland und wir zahlen dir eine Woche das Hotel.“ Das würde für mich nur Sinn machen, wenn ich meine Familie mitnehmen könnte. Wenn nicht, will ich da auch keine Woche sein. Dafür bin ich einfach zu alt. [lacht] Ich reise gerne, suche mir aber genau aus, was ich annehme. Da ich Familie habe, hat es für mich keinen Mehrwert, alleine irgendwo eine Woche zu sitzen oder das Hochzeitswochenende zu verlängern.

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F&J: Kannst du ein Ereignis in deiner Karriere als Wendepunkt bezeichnen? Was hat dich am meisten voran gebracht oder zurück geworfen?

Birgit: Der Workshop mit Jonathan Canlas war auf jeden Fall ein wichtiger Wendepunkt. Damals wollte ich irgendeinen Workshop machen, weil ich noch nie einen mitgemacht hatte. Ich wollte einfach irgendwas machen. Dann kam Ishtar [Najjar; Studio-Kollegin] und sagte mir, dass der Jonathan einen ganz guten Workshop macht, aber dass es dort nur um Filmfotografie geht. Damals habe ich noch nicht analog fotografiert, aber das war mir eigentlich egal. Ich wollte ja nur eine Inspiration. Das war auf jeden Fall ein Wendepunkt, weil ich ab da wieder richtig Lust auf’s Fotografieren hatte. Ich habe schon so drinnen gesteckt im digitalen Fotografieren und Bildbearbeiten, dass es nur noch Arbeit geworden war. Ich mochte schon gar keine Kamera mehr mitnehmen, weil ich das Gefühl hatte, das ist nur mein Job. Das hat sich wieder geändert und ich habe eine analoge Kamera immer gern dabei. Manchmal braucht es eine Weile bis ich sie dann wirklich auspacke. Ich bin keiner von denen, die ständig eine Kamera dabei haben und alles festhalten, aber wenn ich einmal anfange, kann ich nicht mehr aufhören. Da gibt es irgendwie nur schwarz und weiß. Entweder voll drinnen oder gar nicht.

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F&J: Hast du einen Helden oder gar Mentor, den du schon lange verfolgst? Was bewunderst du an ihm/ihr?

Birgit: Jonathan Canlas ist auf alle Fälle auch ein Mentor in vielerlei Hinsicht, weil ich ihn als Menschen sehr mag, aber auch die Art und Weise wie er seine Shootings macht. Ich durfte schon ein paar Mal mit dabei sein und erleben, gerade speziell wie er Familien fotografiert. Meine Shootings haben sich dadurch auch schlagartig geändert. Früher habe ich mir immer viel Zeit gelassen, 1-2 Stunden, ganz entspannt. Er macht das in 20 Minuten und macht die besten Fotos, die du dir vorstellen kannst. Was sich auch geändert hat, ist dieses „Ich lass die mal machen, da ergibt sich schon was Schönes.“ Das funktioniert höchstens bei 10-20 % der Leute, die man vor der Kamera hat. Den meisten muss man ganz klare Anweisungen geben. In der Hinsicht habe ich wahnsinnig viel von ihm gelernt. Er gibt die Anweisungen und konstruiert alles und löst es dann auf und in diesem Auflösen, macht er das Foto. Das ist echt stark.

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F&J: Aus deinen Posts im Internet haben wir herausgehört, dass dir Musik wichtig ist. In welche Genres verschlägt es dich beim Musikhören?

Birgit: Musik ist mir sehr wichtig. Ich bin gar nicht auf ein Genre festgelegt. Du kannst bei mir Jazz genauso hören wie Reggae oder elektronische Musik. Solange es gut ist. Ich würde sagen, alles was im Radio läuft, höre ich sicher nicht. [lacht] Es muss gute Musik sein. Da ist Nina Simone dabei, so wie Bad Religion auch. Bad Religion ist auch einfache Musik, aber sie geht an’s Herz. Das ist mir am wichtigsten. Da muss Herzblut drinnen sein.

Ich höre Musik sehr gern auf Spotify. Da bin ich immer sehr positiv von den Playlisten überrascht. Ich entdecke dort auch oft Künstler, weil sie mir vorgeschlagen werden, die ich sonst nie finden würde. Auch wenn viele Musiker über Spotify schimpfen und es ja eigentlich eine schlimme Sache ist, nutze ich es gern um mich zu informieren. Wir haben daheim alle CDs abgeschafft und nur noch einen Plattenspieler. Leider gibt es ja nur noch so wenig Künstler, die noch Konzeptalben machen oder Alben bei denen man noch sagen kann: „Das ganze Ding ist ein Kunstwerk von A bis Z.“ Aber wenn es dann mal ein Kunstwerk gibt, kaufen wir das auch total gerne auf Vinyl. So etwas in der Hand zu haben, das Artwork, alles. Das ist einfach etwas ganz besonderes.

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F&J: Ein Instrument spielst du aber nicht?

Birgit: Nein, leider leider nicht. Ich bereue das auch. Ich habe als Kind mal ein kleines bisschen Gitarre gelernt, aber eigentlich komme ich aus einer unmusikalischen Familie - leider. Zumindest hören die Kinder viel Musik. Da lege ich Wert drauf. Was gut ist, müssen sie irgendwann selber entscheiden.

 

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lydia & anatol | f & j Hochzeitsfotografie Lydia & Anatol
kommentare

katerina | 27.10.16

Ganz toller Artikel über Kollegin Birgit.

florian & julia | 27.10.16

Danke sehr!

suse | 07.11.16

Super, dass ihr euch die Zeit für das Interview genommen habt! Birgit ist eine tolle Fotografin. Ich liebe ihre Hochzeitsreportagen. Die sind einfach ehrlich.

florian & julia | 08.11.16

Danke Suse. Wir finden Birgit auch klasse und wollten mehr über sie erfahren. Ihre Fotos sind einfach stark.

© FLORIAN KOCKOTT UND JULIA KOCKOTT GBR. HOCHZEITSBILDER & FAMILIENBILDER

ARTWORK BY ANNE ROBIN.

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